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Johann Steinbrener: Der Mann, der von Winterberg aus für die ganze Welt druckte

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Winterberg roch am Ende des 19. Jahrhunderts nach Druckerschwärze. Aus einer kleinen Buchbinderei unter den Böhmerwald-Hängen wuchs ein Unternehmen, das Gebetbücher und Kalender in die ganze Welt schickte — und sein Gründer Johann Steinbrener wurde zu einem der bemerkenswertesten Unternehmer des alten Böhmerwalds.

Johann Steinbrener (1835–1909)
Johann Steinbrener (1835–1909) auf dem historischen Firmenschild. Foto: Ausstellung Schloss Winterberg (Vimperk), Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (Ausschnitt).

Von der Handpresse zur Million Kalender

Johann Baptist Steinbrener wurde am 17. Juli 1835 in Winterberg (Vimperk) geboren. 1855 eröffnete er im väterlichen Haus „Zum Elefanten“ eine Buchbinderwerkstatt mit kleiner Buchhandlung. Als der große Stadtbrand von 1861 ihm das Dach über dem Kopf nahm, baute er die Werkstatt mit ungeheurer Zähigkeit wieder auf — und genau diese Beharrlichkeit wurde zum Markenzeichen seines ganzen Unternehmens.

1872 gründete er eine eigene Druckerei, zwei Jahre später erschienen die ersten Kalender mit 8 000 Exemplaren. Ein Volltreffer: Auf dem Land war der Kalender das Buch des Jahres. 1885 beschäftigte er 230 Menschen, 1898 bereits 400 — der Betrieb war damals voll elektrifiziert. Um 1908 verließen eine Million Kalender jährlich die Winterberger Pressen.

Die größte Gebetbuchdruckerei des Kontinents

Das zweite Standbein waren Gebetbücher mit kunstvollen Einbänden. Die Zahlen sprechen für sich: 1880 erschienen 128 Titel in drei Sprachen, 1890 schon 320 Titel in sechs Sprachen, 1900 insgesamt 490 Titel in elf Sprachen — und in den 1930er Jahren sogar 1 060 Titel in dreiundzwanzig Sprachen. Die Firma J. Steinbrener nannte sich zu Recht die größte Gebetbuchdruckerei Europas; ihre Bücher reisten von Deutschland über Ungarn und den Balkan bis nach Amerika. Ein Kuriosum: Miniatur-Korane mit beigelegter Lupe, die nach dem Ersten Weltkrieg in arabische Länder exportiert wurden.

Ein Familienwerk über drei Generationen

Johann Steinbrener starb am 6. Mai 1909 in Winterberg. Das Unternehmen übernahmen die Söhne Johann (1863–1929) und Rupert (1866–1940), seit 1905 Mitinhaber, nach ihnen die Enkel Hans Thomas (1891–1975) und Dr. Rupert Steinbrener (1895–1966). Zeitzeugen erinnerten sich an den Gründer auch als gutherzigen Mann, der an die Armen, Alten und Kranken der Stadt dachte.

Für seine Kalender und Bücher beschäftigte die Firma Dutzende Illustratoren aus ganz Europa — von Winterberg über Prag und Wien bis Hamburg oder Lemberg. Ihre Geschichten kartieren wir im Kapitel Steinbrenner — die Zeichner der Winterberger Druckerei und in der Bildergalerie.

Quellen: Jan Steinbrener — Wikipedia (cs) · Stadt Vimperk, Bedeutende Persönlichkeiten · Forschung von Eva Reitspiesová, Schloss Winterberg.