Die Winterberger Kalender sind keine bloße Regionalnostalgie. Seit über zwanzig Jahren erforscht sie Professorin Marija Dalbello von der Rutgers University in New Jersey — und ihre Arbeit zeigt: Die Druckerei J. Steinbrener schrieb ein Kapitel Weltbuchgeschichte.
Die Zeitmaschine Kaiser Franz Josephs
In der Studie „Franz Josef’s Time Machine: Images of Modernity in the Era of Mechanical Photoreproduction“, erschienen im renommierten Jahrbuch Book History (2002), untersucht Professorin Dalbello die Bilderwelt der österreichisch-ungarischen Volkskalender — und die Winterberger Firma J. Steinbrener spielt darin die Hauptrolle. Die Kalender wirkten wie eine „Zeitmaschine“: Auf einer Seite begegnete der Kaiser der Dampflokomotive, die Heilige der Nähmaschinenreklame. Für Millionen Leser auf dem Land waren sie das erste Fenster in die moderne Bilderwelt.
Winterberg als Großmacht des frommen Buches
Dalbello erinnert daran, dass die 1855 gegründete Firma ein kaiserliches Privileg für katholische Andachtsliteratur besaß und sich als größter Produzent kunstvoller Gebetbucheinbände des Kontinents bewarb — mit Ausgaben auf Deutsch, Ungarisch, Tschechisch, Slowakisch, Slowenisch, Kroatisch, Polnisch, Italienisch, Ukrainisch (Ruthenisch), Französisch, Englisch, Spanisch und Portugiesisch. Sie wirkte die gesamte Ära Franz Josephs I. hindurch, ihre Spur reicht bis in die späten 1930er Jahre.
Eine Brücke zwischen Winterberg und New Jersey
Das Interesse der internationalen Wissenschaft hält an: Professorin Dalbello kehrt auch zwei Jahrzehnte nach ihrer Studie zu den Steinbrener-Kalendern zurück und steht mit den Forschern rund um das Schloss Winterberg in Kontakt, die heute die Schicksale der Steinbrener-Illustratoren aufdecken. Ihre Geschichten finden Sie in unserem Kapitel Steinbrenner — die Zeichner der Winterberger Druckerei.
Quellen: Marija Dalbello, „Franz Josef’s Time Machine“, Book History 5 (2002) — Volltext (PDF, englisch) · Autorinnenprofil, Rutgers University.







